Wenn Luna Al-Mousli sich ihre Kindheit inmitten einer chaotischen Großfamilie in Erinnerung ruft, dann läuft sie in Gedanken die Wohnungen der Großeltern, Tanten und Onkel in Damaskus ab. Viele Details haben sich unwiderruflich in ihr Gedächtnis gebrannt. Geräusche, Gerüche und Gegenstände. Kleine Schätze und bedeutungsvolle Dinge – auf den ersten Blick nicht immer als solche zu erkennen. Doch Luna Al-Mousli lauscht und hört ganz genau hin, bis die Gegenstände ihr ihre Geschichten erzählen. Da ist die Promotionsurkunde, die, statt für alle sichtbar, versteckt hinter der Tür hängt. Oder die Oud, die arabische Laute, die so lange nicht gespielt wurde. Da sind ein Schrank mit einem abgetragenen Anzug und ein Schlüssel, der zu keiner Tür mehr passt. Oft wissen die unbewegten und unbelebten Gegenstände am besten von den bewegenden und lebendigen Geschichten zu erzählen, die sich tagein und tagaus um sie herum abspielen und denen ein großer Zauber innewohnt.
Westliche Doppelmoral
Der deutschen Diskussion um den Ukraine-Krieg liegt die Annahme zugrunde, dass unsere Verurteilung des russischen Angriffskriegs von der ganzen Welt geteilt wird. Diese Annahme ist jedoch unzutreffend und es ist Zeit, selbstkritisch nach den Gründen dafür zu fragen. Der russische Bruch des Gewaltverbots, der Fundamentalnorm des modernen Völkerrechts, verdient unzweifelhaft eine konsequente und nachhaltige Antwort, doch kann diese Antwort glaubwürdig vom Westen, geführt von den USA, gegeben werden? Ist möglicherweise die Doppelmoral des Westens der Grund dafür, dass der Großteil der Staaten dieser Welt, vor allem des Globalen Südens, allenfalls verbal die russische Aggression verurteilt? Wie kann dem Glaubwürdigkeitsverlust des Westens in weiten Teilen der Welt begegnet werden? Was muss der Westen tun, um weltweite Glaubwürdigkeit zu erlangen?
Krankenhaus im Ausverkauf! Ein Vortrag von Dr. med. Thomas Strohschneider Die Medizin ist in Gefahr! Nicht primär durch neuartige Viren oder andere tückische Erreger, eine andere Gefahr verändert die Medizin viel grundlegender: Es ist die Seuche der Profitgier, der maximalen Gewinnorientierung und der Kommerzialisierung, die immer weiter um sich greift und die Krankenhäuser, Arztpraxen und mittlerweile das gesamte Gesundheitssystem infiziert hat. Wie verbreitet diese Seuche ist, erklärt der Mediziner Thomas Strohschneider, der seit vielen Jahren als Gefäßchirurg praktiziert und u.a. acht Jahre als Chefarzt in einer privaten Klinik gearbeitet hat, in diesem Vortrag sowie auch in seinem Buch „Krankenhaus im Ausverkauf. Private Gewinne auf Kosten unserer Gesundheit“
Natürliche Zoonose oder Laborunfall? COVID-19 hält seit über zwei Jahren die Welt in Atem. Doch wo liegt der Ursprung des Krankheit und wie genau ist es entstanden? Wie ein Kriminalkommissar hat sich der erfahrene Molekularbiologe Günter Theißen auf Spurensuche begeben und seit Anbeginn der Pandemie alle verfügbaren Fakten zusammengetragen. Schon bald musste er jedoch feststellen, dass sich die Mehrzahl der Fachleute und ein Großteil der Medien auf eine rein natürliche Entstehung des Virus festgelegt haben – ohne hieb- und stichfeste Beweise! Warum besteht so wenig Interesse an Aufklärung?
Eine essentielle Fibel über Kapitalismus, Politik und die Funktionsweise der Welt, basierend auf der sehr beliebten Vorlesungsreihe „Was ist Politik?“ Gibt es eine Alternative zum Kapitalismus? In diesem bahnbrechenden Text zeichnen Chomsky und Waterstone eine kritische Landkarte für eine gerechtere und nachhaltigere Gesellschaft. ‚Covid-19 hat eklatante Versäumnisse und monströse Brutalitäten im gegenwärtigen kapitalistischen System aufgedeckt. Es stellt sowohl eine Krise als auch eine Chance dar. Alles hängt von den Handlungen ab, die die Menschen in ihre eigenen Hände nehmen.‘ Wie prägt die Politik unsere Welt, unser Leben und unsere Wahrnehmungen? Wie viel vom „gesunden Menschenverstand“ wird tatsächlich von den Bedürfnissen und Interessen der herrschenden Klassen bestimmt? Und wie können wir die kapitalistischen Strukturen herausfordern, die heute alles Leben auf dem Planeten bedrohen?
Noam Chomsky, geboren 1928, ist Professor emeritus für Sprachwissenschaft und Philosophie am M.I.T. Er hat die moderne Linguistik revolutioniert und zahlreiche Bestseller verfasst. Chomsky ist einer der weltweit bekanntesten linken Intellektuellen und seit jeher ein prominenter Kritiker der amerikanischen Politik wie auch des globalen Kapitalismus. Marv Waterstone ist emeritierter Professor der School of Geography and Development an der University of Arizona, wo er seit über 30 Jahren als Fakultätsmitglied tätig ist. Seine Forschungsund Lehrtätigkeit konzentriert sich auf soziale Gerechtigkeit und progressiven sozialen Wandel.
Arno Luiks Interviews beginnen oft mit provozierenden Fragen, schon mit der ersten Antwort wird der Leser in diese Gespräche hineingezogen – und liest Dinge, die er anderswo nicht gelesen hat. Arno Luik verführt seine Gegenüber von Beginn an zu einer erstaunlichen Offenheit und schafft es, Brisantes aus ihnen herauszukitzeln. Dieser Gesprächsband ist eine faszinierende Zeitreise, in der sich Geschichte auf eine mitreißende Weise entfaltet: anekdotisch, politisch, intim. Sie zeigt, warum wir wurden, wer wir sind: eine zerrissene, eine verstörte, manchmal trotzdem schöne Welt – um die es sich lohnt, zu kämpfen.
Arno Luik, geboren 1955, war Reporter für Geo und den Berliner Tagesspiegel, Chefredakteur der taz, Vizechef der Münchner Abendzeitung und langjähriger Autor der Zeitschrift Stern. Gespräche von „Deutschlands führendem Interviewer“ (taz, Peter Unfried) sind in mehr als 25 Sprachen übersetzt worden; für sein Gespräch mit Inge und Walter Jens wurde Luik 2008 als „Kulturjournalist des Jahres“ ausgezeichnet. Für seine Enthüllungen in Sachen Stuttgart 21 erhielt er den „Leuchtturm für besondere publizistische Leistungen“ des Netzwerks Recherche. Zuletzt erschien von ihm bei Westend der Bestseller „Schaden in der Oberleitung – Das geplante Desaster der Deutschen Bahn“ (2019).
Herzlich Willkommen zum ersten Tischgespräch-Podcast. Bei den Tischgesprächen handelt es sich um die Audiomitschnitte von Veranstaltungen und Lesungen in den Räumlichkeiten der Buchkomplizen.
Das Gesundheitswesen in Deutschland ist gut. Es ist sogar so gut, dass es mit einer Pandemie fertig wird. Aber es ist auch in großer Gefahr, denn was wir in Deutschland derzeit erleben, ist nicht weniger als eine Zeitenwende: Krankenhäuser werden aus öffentlichem Besitz an private Klinikkonzerne verschleudert. Der Digitalisierung wird das Individuum Patient geopfert. Das Gesundheitssystem wird zu einem profitablen Herrschaftsinstrument umgebaut.
Dr. med. Bernd Hontschik, geboren 1952 in Graz, war bis 1991 Oberarzt an der Chirurgischen Klinik des Städtischen Krankenhauses Frankfurt-Höchst und bis 2015 in eigener chirurgischer Praxis mitten in Frankfurt tätig. Hontschik ist Autor des Bestsellers »Körper, Seele, Mensch«, Herausgeber der Reihe »medizinHuman« im Suhrkamp Verlag und Kolumnist der Frankfurter Rundschau. Er ist langjähriges Vorstandsmitglied der »Thure-von-Uexküll-Akademie für Integrierte Medizin«, Beirat der Akademie Menschenmedizin und der Zeitschrift Chirurgische Praxis. Im Westend Verlag erschienen zuletzt »Erkranken schadet Ihrer Gesundheit« (2019) sowie, gemeinsam mit Claudia Hontschik, »Kein Örtchen. Nirgends« (2020). Hontschik lebt in Frankfurt am Main.
Die Forderung nach einer freien und unabhängigen Kunst kennen wir seit dem 19. Jahrhundert. Dieses Streben nach Kunstautonomie fußt auf der Überzeugung, dass der Bereich des Ästhetischen eigenen Regeln folgt, dass Kunst frei sein muss von fremden Ansprüchen, seien diese politischer oder moralischer Natur. Stichworte wie ‚Cancel Culture‘ sowie die oft schrill geführten Debatten darüber, wer eigentlich noch etwas sagen oder zeigen darf, zeugen davon, dass die Autonomie der Kunst mehr denn je gefährdet ist.
Moshe Zuckermann wuchs als Sohn polnisch-jüdischer Holocaust-Überlebender in Tel Aviv auf. Seine Eltern emigrierten 1960 nach Frankfurt am Main. Nach seiner Rückkehr nach Israel im Jahr 1970 studierte er an der Universität Tel Aviv, wo er am Institute for the History and Philosophy of Science and Ideas lehrte und das Institut für deutsche Geschichte leitete. Zuckermann ist regelmäßig mit Beiträgen für Hörfunk, Fernsehen und verschiedene Printmedien tätig. Im Westend Verlag erschien zuletzt Gegen Entfremdung (2021) über Erich Fried.
Die Ergebnisse der Klimakonferenz in Glasgow sind ernüchternd und enttäuschend – wie nicht anders zu erwarten, sagen Heiner Flassbeck und Kersten Reich und diskutieren über den weiteren Weg.
Heiner Flassbeck hält den Ansatz von vornherein für falsch, dass unabhängig voneinander agierende Länder sich verpflichten, irgendetwas zu tun, dann werde alles gut. Das stärkste Bindeglied zwischen diesen Ländern sind nun mal die Märkte für fossile Energie und solange man diese Märkte nicht berührt, geht es immer so weiter. Es ist naiv zu glauben, dass etwa China und Indien ihre Entwicklungspfade ändern, obwohl sie extrem billige Energie zur Verfügung haben, bloß weil wir ihnen erzählen, es gebe ein Klimaproblem.
Kersten Reich nimmt die Politik in die Pflicht: Wenn die Wirtschaft als Reaktion auf Glasgow schon sagt: „Ihr habt zu wenig erreicht“, dann müsse die Politik doch aufwachen! Die Politik muss anfangen, in Fairness-Kategorien zu denken – denn wenn das nachhaltige Gemeinwohl nicht in den Vordergrund tritt, dann werden wir gnadenlos scheitern.
Neue Feindbilder, alte Muster
Der Anschlag von Hanau, die Mbembe-Debatte wie auch die immer wiederkehrenden, meist hitzigen Diskussionen um den Nahost-Konflikt machen eines klar: Wir brauchen dringend eine fundierte Auseinandersetzung mit den Zusammenhängen zwischen Antisemitismus und (anti-muslimischem) Rassismus.
In der Öffentlichkeit ist die Frage, ob und wie diese beiden Phänomene miteinander verglichen werden dürfen, enorm umstritten, was eine sachliche und wissenschaftliche Beschäftigung lange erschwert hat. Sabine Schiffer und Constantin Wagner schaffen durch ihre Forschungsergebnisse eine Grundlage für eine neue, aufgeschlossene Diskussion und zeigen an aktuellen wie auch historischen Beispielen, dass Antisemitismus und Islamophobie über entscheidende Gemeinsamkeiten verfügen, die zu erkennen die Voraussetzung für ihre Bekämpfung ist.
Durch das Gespräch über die Neuauflage von „Antisemitismus und Islamophobie. Ein Verlgleich“ führt der Lektor Emil Fadel. Das Buch erscheint am 1. November 2021, mehr Informationen auf westendverlag.de